alphabreed

Adventure

von Stefan Mühlinghaus

Kapitel 1 — Der See

Es passierte an einem Tag wie jedem anderen auch. Nichts deutete auch nur im entferntesten darauf hin, dass heute irgend etwas außergewöhnliches passieren könnte. Die Mittagssonne schien hell durch die Ritzen zwischen den Rolläden und ließ winzige Staubkörner in ihrem Licht tanzen.

Der altmodische und leicht zerbeulte Wecker zeigte 12:14 Uhr an und hätte vermutlich längst geklingelt, steckte nicht ein Stück Schaumstoff zwischen Klöppel und Schelle. Der Duft von gebackenem Toast und frisch gebrühtem Kaffee lag in der Luft.

Jack lag noch im Bett und döste vor sich hin wie er das jeden Sonntag tat wenn nichts zu tun war. Er hatte sich in die warme Bettdecke gekuschelt und wehrte sich nach Möglichkeiten gegen das Aufwachen.

Etwa eine halbe Stunde später musste er sich aber dann geschlagen geben und entschied, dass es jetzt doch an der Zeit war aufzustehen. Er drehte sich auf den Rücken, strecke sich und begrüsste den neue Morgen mit einem herzhaften Gähnen. Anschließend kroch er aus dem Bett und tappste barfuß zur Tür. Die alten Holzdielen knarrten hörbar unter seinen Füßen.

"Guten Morgen, Jack! Dein Essen wartet schon auf dich. Los, beeil dich, du alter Langschläfer, sonst wird es noch kalt.". Mutters stimme drang gedämpft durch Tür und Boden und Jack sah grinsend zu den Dielen hinab. Verräter!

Er zog die Tür einen Spalt breit auf und schob sich hindurch. Ganz auf ging sie schon lange nicht mehr und Jack hatte sich mittlerweile zu sehr daran gewöhnt um sie zu reparieren. Sie passte einfach zu perfekt in dieses alte Haus als das er dazu das Recht gehabt hätte. Ebenso wie die teppichbelegte Holztreppe, die er jetzt in den Flur hinunter stieg.

Unten angekommen folgte er einfach seiner Nase und betrat die Küche des Hauses. Der Duft nach Frühstück war hier noch viel intensiver als oben in seiner kleinen Kammer. Seine Mutter stand am Herd und war offenbar gerade damit beschäftigt, Spiegeleier fürs Frühstück zu braten. Weiter hinten entdeckte er seine kleine Schwester Rebecca, die bereits am Tisch saß und an einer Scheibe Toast mit Spiegelei knabberte.

"'Morgen Ma, 'morgen Becky", murmelte er und wischte sich den Schlaf aus den Augenwinkeln.

Seine Mutter sah in an und lächelte. "Auch endlich wach? Ich war schon drauf und dran einen Suchtrupp loszuschicken.".

Jack lächelte ebenfalls schuldbewusst und setzte sich auf seinen Platz am Tisch.

"Ehrlich, Jack", mischte sich jetzt auch Rebecca ein, "wie kannst du nur so lange schlafen? Der halbe Tag ist schon rum und du hast ihn einfach verschlafen.".

Jack grinste seine kleine Schwester an. Wenn man Sie so reden hörte würde man kaum auf die Idee kommen, dass sie erst 10 Jahre alt war.

"Jahrelanges hartes Training, Schwesterchen. Vielleicht bring ich es dir eines Tages bei.".

Rebecca verzog das Gesicht. "Nein danke. Da finde ich sicher was besseres mit meiner Zeit anzufangen.".